Nachruf Prof. Christa Steiner

Foto Prof. Christa Steiner

Nachruf für Christa Steiner, verfasst von Claudia Wilfing

Am 18. Juli 2022 ist unsere Kollegin Christa Steiner im 83. Lebensjahr verstorben.

Ich kannte Christa seit den 1980-er Jahren und war ihr seit dieser Zeit beruflich, berufspolitisch und später auch freundschaftlich verbunden.

Eine wichtige Rolle in Christas Leben nahm Ihre berufliche Tätigkeit im Behring Institut der Firma Höchst und ihre Arbeit für den Berufsverband ein.

Für ein Medizinstudium fehlten ihrer Familie leider die finanziellen Mittel. Sie wäre sicherlich eine gute Wissenschaftlerin geworden. So wurden Christa und ihre Schwester Herta diplomierte medizinisch-technische Assistentinnen, wie damals unsere Berufsbezeichnung lautete.

Es war ein sehr weiter Weg, bis unsere Berufsgruppe die Möglichkeit erhielt, einen akademischen Grad und eine selbstständige Tätigkeit zu erwerben. Auch wenn das Ergebnis dieser Entwicklung für Christas berufliche Karriere zu spät kam, sie unterstützte die Maßnahmen zu dieser Entwicklung tatkräftig. Sie war maßgebend daran beteiligt, dass unser Berufsverband sich zu dem entwickeln konnte, wie er sich jetzt repräsentiert. Wir konnten ihr durch Ehrungen danken und sie war die erste Biomed. Analytikerin, der der Professorentitel vom Bundespräsidenten verliehen wurde.

In vielen Bereichen war Christa für uns eine Wegbereiterin. Sie war eine große Kämpferin für Frauenrechte, als Betriebsrätin auch in ihrer Firma. Sie war eine sehr gute MTA, geschätzt und respektiert auch von Univ. Professoren. Jede/r, der/die bei ihr einmal an den Schulungen im Kurslabor des Behring Instituts teilgenommen hat, kann das bestätigen. Die Immunologie war ihre Leidenschaft. Christa war eine der ersten von uns, die Vorträge hielt. Heute unvorstellbar, aber Tatsache, bis in die 1990iger Jahre wurden Vorträge bei unseren eigenen Tagungen fast ausschließlich von Ärzten/Ärztinnen gehalten.

Sie war mutig und hatte keine Angst vor Konfrontationen. Sie war uneitel und selbstbewusst.

Ihr Mann Felix unterstützte sie und gemeinsam hatten sie schöne Jahre. Sie liebten die schönen Künste, hatten Abos für Oper und Theater. Ihre Urlaube verbrachten sie in Italien und auf Schiffsreisen. An der Alten Donau erholten sie sich in ihrer Kabane und beim Schwimmen.

Christa lernte mit großer Begeisterung Italienisch. Sie war auch eine sehr gute Köchin, und hatte immer praktische Tipps für mich, die ich gerne annahm und die mir fehlen werden.

Leider konnte Christa ihre Pension nicht lange schmerzfrei genießen. Christa wurde krank und seit 2009 kam sie nach einer Wirbelsäulen Operation nicht mehr von den Krücken weg. Ab da wurde das Leben eine Herausforderung. Spitalsaufenthalte wechselten mit Rehabaufenthalten ab. In der Zeit dazwischen kämpfte Christa sich mit enormer Selbstdisziplin zurück zum Gehen. Ihr Therapeut und Sporttrainer Herr Markus und die Familie Berk machten es möglich, dass sie und Felix das Leben in ihrer schönen großen Altbauwohnung weiterführen konnten. Christas Intelligenz und ihr praktischer Hausverstand halfen ihr auch dabei.

Eine Woche vor ihrem Tod besuchte ich Christa das letzte Mal. Abgemagert, aber voll Tatendrang strahlte sie eine unglaubliche Zuversicht aus und wir sprachen über ihren unklaren Befund, aber auch über die neueren Entwicklungen unseres Berufs. Sie wirkte direkt euphorisch.

So werde ich sie in Erinnerung behalten. Eine sehr intelligente starke Frau, mit einem großen Herzen ist von uns gegangen. Einer Wegbereiterin unseres Berufs sagen wir hiermit einfach DANKE.

Parte von Prof. Christa Steiner