Letzte Aktualisierung: 22.6.2017
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Nachgraduierung

 

Wie steht es um die Möglichkeit der Nachgraduierung für AkademieabsolventInnen?

Vergangenes Jahr häuften sich im Verbandsbüro Anfragen unserer Mitglieder bezüglich einer möglichen Nachgraduierung für Biomedizinische AnalytikerInnen, die ihre Ausbildung noch vor der Umstellung auf das Fachhochschulsystem absolviert hatten. Der nachfolgende Beitrag soll unsere LeserInnen über den aktuellen Stand der Thematik informieren.

Historie der Nachgraduierung

biomed austria hat gemeinsam mit dem Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Dienste MTD-Austria nach der Änderung der Berufsbezeichnung und Umstellung der Ausbildung in Fachhochschulen vom Gesetzgeber eine einheitliche Lösung zur Nachgraduierung für AbsolventInnen einer Ausbildung gemäß der „alten“ Ausbildungsverordnung (vor 2004) gefordert. Damit sollte einer möglichen Ungleichbehandlung von Berufsangehörigen ohne akademischen Grad entgegengewirkt werden. Zu einer globalen Umsetzung kam es jedoch nicht, da eine berufsrechtliche Gleichstellung - inklusive möglichem Zugang zu Masterstudiengängen - ohnehin weiter gegeben war und nach wie vor ist. Politik und zuständige Ministerien hatten damals keine Möglichkeit gesehen eine umfassende, für alle MTD-Berufe einheitliche Lösung anzubieten. Dafür wäre nämlich eine Änderung der aktuellen Gesetzeslage erforderlich, was vor allem durch ein konkretes Argument verhindert wird: Bis 2019 bestehen parallel zu den MTD-Bachelorstudiengängen noch vereinzelt Akademien – und solange beide Ausbildungssysteme zur Anwendung kommen, wird von der Politik eine allgemeine und tragfähige Lösung ausgeschlossen. Die Möglichkeit einer generellen Nachgraduierung (=nachträgliche Verleihung eines Bachelortitels an alle MTD-Berufsangehörigen, die eine Schule oder Akademie absolviert haben) bestünde demnach – falls vom Bundesministerium für Gesundheit in dieser Art angedacht – erst ab 2019.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Sollte es in Österreich trotz durch die Politik zugesicherter Gleichhaltung von Schul-, Akademie- und Fachhochschulabschlüssen zu einer Diskriminierung von Biomedizinischen AnalytikerInnen, v. a. durch ArbeitgeberInnen, kommen, ist es aus Sicht von biomed austria durchaus nachvollziehbar, dass betroffene Berufsangehörige das Erfordernis eines nachträglichen Bachelorerwerbs sehen, wie er bereits vereinzelt an tertiären Ausbildungsstätten angeboten wird. Eine derartige Ungleichbehandlung wäre darüber hinaus auch keinesfalls tragbar.

Da per Gesetz alle MTD-Akademien mit 2019 auslaufen müssen, stellt sich ab diesem Zeitpunkt die Situation wieder neu dar: Das Argument zweier parallel laufender Ausbildungssysteme fällt damit als Hauptgrund weg, der bis dahin aus rechtlicher Sicht gegen die Nachgraduierung spricht.

biomed austria wird daher die Entwicklungen in dieser Thematik gemeinsam mit den anderen Berufsverbänden der gehobenen medizinisch-technischen Dienste und MTD-Austria genau verfolgen und jede sich bietende Chance wahrnehmen, um allen BerufskollegInnen durch Nachgraduierung das Führen des akademischen Grades „Bachelor of Science“ zu ermöglichen.

 

Verfasst von:
Sylvia Handler, MBA Vorsitzende biomed austria
Mag. Birgit Luxbacher, BSc Geschäftsführerin biomed austria
4/2016